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Fakultät Raumplanung

F11: Nachtlogistik stadtverträglich gestalten – Recht, Raum und Akzeptanz

Betreuung: Sascha von Behren

Der straßengebundene Güterverkehr verursacht einen erheblichen Anteil an Emissionen, Lärm und Verkehrsbelastungen in urbanen Räumen. In den Ballungsräumen Nordrhein-Westfalens führt die Überlagerung von Liefer- und Individualverkehr zu Staus, Effizienzverlusten und negativen Umweltwirkungen. Ein vielversprechender Ansatz zur Entlastung ist die zeitliche Verlagerung von Verteilverkehren in verkehrsärmere Tagesrandzeiten oder die Nacht. Voraussetzung hierfür ist der Einsatz geräuscharmer, batterieelektrischer Nutzfahrzeuge, die die Anforderungen der TA Lärm auch in sensiblen Gebieten erfüllen können (Fraunhofer IML 2017, MUNV NRW 2024).

Die technische Machbarkeit geräuscharmer Nachtlogistik wurde in Pilotprojekten wie GeNaLog erfolgreich nachgewiesen. Allerdings bestehen in der planerischen und genehmigungsrechtlichen Praxis weiterhin Hemmnisse: Lieferzeitfenster in Baugenehmigungen, unklare Bewertungsgrundlagen für E-Lkw-Emissionen sowie fehlende Erfahrungswerte bei Kommunen erschweren die Umsetzung. Zudem ist wenig darüber bekannt, wie Anwohner potenzieller Nachtlogistik-Standorte das Konzept bewerten und welche Faktoren ihre Akzeptanz beeinflussen.

Dieses F-Projekt untersucht die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung geräuscharmer Nachtlogistik aus raumplanerischer Perspektive. In einer ersten Phase werden die planungs- und immissionsschutzrechtlichen Rahmenbedingungen systematisch aufgearbeitet und Hemmnisse in der Genehmigungspraxis durch Experteninterviews identifiziert. Ergänzend erfolgt eine Recherche europäischer Best Practices (z. B. Barcelona, Amsterdam, London), um Erfolgsfaktoren und Übertragbarkeitspotenziale zu ermitteln. In der zweiten Phase wird für eine NRW-Fallstadt (voraussichtlich Dortmund) eine GIS-gestützte räumliche Potenzialanalyse durchgeführt, die geeignete Standorte für Nachtanlieferungen identifiziert und kategorisiert. Die dritte Phase widmet sich der Akzeptanzuntersuchung bei Anwohnern mittels standardisierter Befragung und qualitativer Interviews.

Je nach Schwerpunktsetzung der Projektgruppe können quantitative Methoden (GIS-Analyse, Befragung) und/oder qualitative Methoden (Experteninterviews, Fokusgruppen) vertieft werden. Die Ergebnisse sollen in Handlungsempfehlungen für Kommunen, Logistikdienstleister und die Landesebene münden.

Das Projekt ist eingebettet in das laufende Förderprojekt „EULE – Effiziente und leise Logistik im urbanen Gebiet" des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW, das am Fraunhofer IML bearbeitet wird. Die Erkenntnisse des F-Projekts ergänzen die ökonomisch-ökologische Szenarienanalyse von EULE um die raumplanerische und soziale Dimension. Die Ergebnisse sind für das EULE-White Paper und die beteiligte Kommune von direktem Interesse.