
F10: Verkehrsverlagerung im Pendelverkehr: Potenziale und Maßnahmen für eine nachhaltige Mobilität in Verden
Betreuung: Jacqueline Radzyk
Welche Faktoren beeinflussen die Verkehrsmittelwahl im Pendelalltag und unter welchen Bedingungen sind Pendler*innen bereit, auf den privaten Pkw zu verzichten? Diesen Fragestellungen wird im Rahmen des Projekts am Beispiel der Stadt Verden (Aller) nachgegangen. Im Fokus stehen dabei nicht ausschließlich verkehrliche Kenngrößen, sondern insbesondere die Perspektiven, Bedürfnisse und Entscheidungsprozesse der Nutzer*innen.
Die Stadt Verden (Aller) steht als Mittelzentrum mit rund 28.500 Einwohner*innen vor der Herausforderung, ihr Verkehrssystem zukunftsfähig zu gestalten. Aufgrund der Lage zwischen Bremen und Hannover sowie der guten Anbindung an A27 und B215 weist Verden eine hohe regionale Erreichbarkeit auf. Dies manifestiert sich in einer ausgeprägten Pendeldynamik mit über 14.000 Einpendelnden gegenüber rund 5.200 Auspendelnden (Stand 2022), vorwiegend aus Bremen, Achim und umliegenden Gemeinden.
Ein wesentliches Transformationspotenzial ergibt sich durch den geplanten Neubau der Südbrücke über die Aller ab Ende 2027. Die bestehende Brücke ist sowohl baulich als auch funktional defizitär. Die derzeitig einspurige Verkehrsführung mit Ampelregelung wirkt für die Altstadt zwar verkehrsregulierend, führt jedoch gleichzeitig zu Rückstaus und Einschränkungen des Verkehrsflusses. Der geplante zweispurige Neubau mit beidseitigen Geh- und Radwegen erhöht dahingegen die Leistungsfähigkeit, birgt zugleich jedoch das Risiko induzierten Verkehrs und einer zusätzlichen Belastung der angrenzenden Altstadt. Im Zuge des Brückenneubaus wird zudem das bestehende Parkhaus an der Südbrücke (ca. 100 Stellplätze), zurückgebaut und anschließend neu errichtet.
Die anstehenden Veränderungen bieten somit ein bedeutendes Zeitfenster, um bestehende Mobilitätsroutinen zu hinterfragen und neue Ansätze zur Verkehrssteuerung und -verlagerung zu erproben. Pendler*innen stellen hierbei eine zentrale Zielgruppe dar, da sie maßgeblich zur Verkehrsbelastung beitragen und zugleich ein hohes Potenzial für Verhaltensänderungen aufweisen. Das vorliegende Studierendenprojekt setzt genau an diesem Transformationsmoment an und verfolgt das Ziel, Strategien zur Verlagerung des Pendlerverkehrs vom privaten Pkw auf alternative Verkehrsmittel zu entwickeln.
Mittels empirischer Methoden, insbesondere standardisierter Befragungen, soll ermittelt werden, wie groß die Bereitschaft der Pendler*innen ist, auf die Nutzung des eigenen Pkw zu verzichten und auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. Dabei wird auch untersucht, unter welchen Bedingungen eine Verlagerung auf Fuß-, Rad- oder ÖPNV-Nutzung sowie auf kombinierte Mobilitätsangebote als realistisch und zumutbar wahrgenommen wird. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen sollen im weiteren Projektverlauf innovative Mobilitätsinterventionen entwickelt werden. Diese Interventionen dienen als experimentelle Maßnahmen, um neue Mobilitätsangebote unter realen Bedingungen zu erproben und deren Wirkung auf das Verhalten der Pendler*innen zu untersuchen.
Das Projekt verbindet verkehrsplanerische Fragestellungen mit sozialen, alltagsbezogenen und gestalterischen Aspekten urbaner Mobilität. Eigene Schwerpunktsetzungen der Studierenden sind ausdrücklich erwünscht. Ziel ist es, eine Vielzahl an innovativen und umsetzbaren Vorschlägen zu erarbeiten, die dazu beitragen können, den motorisierten Individualverkehr in Verden langfristig zu reduzieren. Insbesondere die Altstadt soll durch eine gezielte Lenkung und Verringerung des Durchgangsverkehrs entlastet und in ihrer Aufenthaltsqualität gestärkt werden. Die Ergebnisse des Projekts sollen der Stadtverwaltung als Grundlage für zukünftige Planungsprozesse dienen und Impulse für eine nachhaltige Transformation des städtischen Verkehrssystems liefern.


